Gebt den Narren eine Bühne!

Oder: Von der Macht des Diskurses

Ob Sarrazin, Matussek, oder Lewitscharoff, medienwirksamer Verbaldurchfall findet sich an allen Ecken. Und die Leute? Reden darüber, ereifern sich, tadeln, argumentieren, toben, teilen. Ich sage: Jawoll, mehr von dem Dünnpfiff!

Für mich bedeutet Meinungsfreiheit, dass jeder in die Medienarena werfen darf, was er für richtig hält und sei die K…e noch so gequirlt. Denn, und darauf dürfen wir in Deutschland verdammt stolz sein, das System reinigt sich sozusagen selbst. Es verfügt über hervorragende Abwehrkräfte und spuckt notfalls Fundis und in der Steinzeit Zurückgebliebenen ihren Dreck zurück ins Gesicht. Ist das nicht fantastisch?

Verstörende Meinungen tun uns gut

Ich möchte es einmal so formulieren: Solange beknackte Ansichten ausgedrückt werden dürfen, werden sie diskutiert und damit kontrolliert. Dass Homophobie extrem dämlich ist, weiß ich nur deshalb, weil es homophobe Menschen gibt, die homophoben Blödsinn von sich geben und weil es Medien gibt, in denen eine Vielzahl von Menschen den homophoben Blödsinn als solchen entlarven und aufs Schärfste kritisieren. Gebt den Narren ruhig ihre Bühne, es schadet uns nicht. Im Gegenteil: Verstörende Meinungen, Affronts und Fauxpas tun uns gut! Sie befeuern den öffentlichen Diskurs, der über eine ungeheure Macht verfügt und in einem stetigen Prozess Einfluss auf das nimmt, was eine Kultur als ihre Werte hervorbringt.Ich plädiere nicht für den Erhalt von Homophobie oder Rassismus. Ich plädiere für Meinungsfreiheit im Rahmen geltender Gesetze und Normen.

Plädoyer: Gebt den Narren eine Bühne, verstörende Meinungen tun uns gut.

Plädoyer: Gebt den Narren eine Bühne, verstörende Meinungen tun uns gut. (Foto: LoggaWiggler/pixabay.de)

Wird das Äußern bestimmter Meinungen verboten, hält es die Menschen nicht davon ab, sie zu vertreten. Wir haben viel bessere Waffen: Kaum etwas hat so verstörende und kathartische Wirkung wie eine öffentliche Bloßstellung, wie der Gegenwind der ganzen Nation. Um eine Meinung ändern zu können, muss ich sie frei äußern dürfen. In einer Mediendemokratie — sofern wir leidenschaftlich debattieren — sterben beknackte Ansichten ganz von alleine aus. Auch wenn’s lange dauert.

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